Reisebericht 3: “…Ende gut, alles gut”
11. März 2009 von laurens
vom 03.03.2009:
Am 26. Februar 09 haben wir das Ziel unserer diesjährigen Etappe erreicht: Bagamoyo in Tansania am Indischen Ozean – ein kleiner Flecken etwa 75 km nördlich der tansanischen Hauptstadt Dar es Salam.
Wir haben auch schon einen Platz für die Motorräder gefunden und daher in der letzten Woche bis zum Heimflug keinen (Such-) Stress mehr: Also nur noch Hitzestress: Die Luftfeuchtigkeit ist am Beginn der Regenzeit enorm, was in Verbindung mit der ebenfalls hohen Temperatur eine richtige Waschküchenatmosphäre ergibt. Schweißtreibend. Interessant ist auch, dass die starken Gezeiten uns morgens ein relative frisches Meer bringen (ca. 25 Grad Celsius) und abends ein brühwarmes (ca 35 Grad C), was eher Whirlpool- bzw. Thermalbadcharakter hat. Um die Mittagszeit hat sich das Meer rund anderthalb Kilometer zurückgezogen und einen Schlick- und Wasserlochübersäten Strand zurückgelassen, der mit unzähligen der einheimischen Holz-Fischerboote gespickt ist. Sie sind dann alle vom nächtlichen Fischfang zurück liegen und auf dem Trockenen. Siestazeit. Zeit eine Email zu schreiben.
Doch Ihr wollt sicher auch wissen was zwischendurch passierte und wie es in der Zeit war, bevor wir hier ankamen.
Die Fortsetzung beginnt in Norduganda, wo ich, ohne die Anderen, eine Freundin besuchte, die dort mit Familie seit Jahren wohnt und arbeitet. Nach einem Ruhetag startete ich, mit dem Plan mich nach dreitägiger Fahrt im Süden Ugandas mit Frank, Georg und Artur wieder zu treffen. Die Fahrt wurde jedoch nach genau 1km, durch einen Unfall jäh gestoppt:
Ein Bodaboda (Motorradtaxi) und ich sind frontal zusammengerauscht.
Dabei hatte ich eine mega-riesige Portion Glück, wie sich nach und nach herausstellte.
Die umstehenden Menschen – es hatte sich am Morgen schnell eine größere Menge versammelt – boten teils sofort ihre Hilfe an und es trat glücklicherweise keine Situation ein, von der im Zusammenhang mit derartigen Unfällen oft warnend berichtet wird: es bildete sich kein Mob, der sich mich in Selbstjustiz vorknöpfte.
Es folgte ein stundenlanger Aufenthalt bei der Polizei. Neben der Freundin stand mir dort auch ein ugandischer Kollege von Ihr bei, der in der ganzen Gegend bekannt ist, sehr angesehen und häufig als Vermittler für derartige Fälle gerufen wird.
Zudem war der Fahrer des Motorrads zum Glück nicht schwer verletzt. Seine Wunde wurde genäht und ihm eine Woche Ruhe verschrieben. Vor allem auch dank der Vermittlungshilfe konnten wir der Polizei bald klar machen, dass und wie wir die Angelegenheit untereinander gütlich lösen würden. Da eine Ermittlung des Schuldigen durch die Behörde sehr langwierig gewesen und wahrscheinlich eher zu meinen Ungunsten ausgegangen wäre, war die Lösung die wir fanden für alle Beteiligten gut: Ich kam für den allergrößten Teil des Schadens auf.
Irgendwann spürte ich dann mal mein Bein, das bei dem Zusammenprall was abbekommen hatte. Aber es war dank der guten Schutzkleidung nur im Knie verdreht und gestaucht und der Fuß war geschwollen. Nichts ernstes, wie mir der italienische Arzt des Missionskrankenhauses nach einer Untersuchung beruhigend versicherte.
Mein Motorrad, wie auch das chinesische Zweirad das ich gerammt hatte, waren dagegen ernsthafter beschädigt. Wie mir zwischenzeitlich berichtet wurde, sind das Moped und auch der Fahrer wieder wohlauf.
Bei meiner TT600 erinnerte der Schalthebel an eine Brezel und die Welle, auf der er saß war außerhalb vom Motor etwa 30 Grad nach hinten verbogen. Ich sah mich schon gestrandet, wochenlang auf Ersatzteile aus Deutschland wartend und den Motor zerlegend. Nicht das der Aufenthalt unangenehm gewesen wäre. Im Gegenteil. Aber ich wollte doch weiter und meine Reisekumpels wieder erreichen.
Schon während wir noch bei der Polizei saßen riefen mich, auf meinen Hilferuf per SMS hin, zwei Freunde und Motorradmechaniker aus Darmstadt an. Sie beruhigten mich mit der Nachricht, dass auf der verbogenen Welle keine Zahnräder des Getriebes sitzen würden und ein Richten bzw. Geradebiegen von außen durchaus Erfolg haben könnte. Toll, diese schnelle Unterstützung in der Not! Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie dankbar ich den Beiden, aber auch all denen war und bin, die mir in dieser Situation zur Seite standen.
Aus dem Fiasko entwickelte sich schließlich eine Situation über die ich erfreut und geradezu dankbar war: Ich lernte den Ort und seine überaus freundlichen Menschen sehr viel intensiver kennen. Ganz andere Eindrücke und Begegnungen waren möglich geworden und der Schaden blieb für alle Beteiligten relativ gering. Schon allein der Besuch des Schusterladen, in dem ich die Schäden an meinem Tankrucksack flicken ließ, war ein großartiges Erlebnis und Zeugnis, dass der Spruch “Afrikaner schaffen’s doch eh nicht, was vernünftiges aufzubauen” falsch ist. Geführt wird er von einem behinderten Mann, der andere Behinderte beschäftigt und ausbildet. Der Laden läuft prächtig. Die Freude dieser Menschen an ihrer Arbeit zu erleben und ihr großartiges Können, sowie die Liebe, mit der sie meine Taschen flickten, war extrem schön.
Neben der Welle war der Benzintank auf einer Länge von ca. 40cm aufgerissen. Ein örtlicher Karosseriemechaniker versuchte sich mit verschiedenen Füllmaterialien daran und es sah zunächst auch sehr gut aus. Immerhin zwei Tage hielt der Tank dicht und tropfte am dritten noch nicht stark. Zeit genug, um “die Jungs” im Süden Ugandas wieder zu erreichen.
Schließlich kam Frank auf eine gute Idee: Fortan gebrauchte ich den 5 Liter umfassenden Wassertank, der einen Teil meines Gesamttanks bildet, für Benzin, und legte den 34 Liter Benzintank still. Das funktionierte gut. Allerdings musste ich nun etwa alle 100km Tanken. Artur versucht mich seither zu ärgern, indem er immer “Mofa, Mofa” ruft, wenn ich mal wieder eine Zapfsäule ansteuere. Aber immerhin bin ich so fast 2000 km weit gekommen.
Nur gute zwei Tage besuchten wir Ruanda. Leider. Denn dieses blitzblanke Land im Aufbruch zu erleben und gleichzeitig überall die Zeichen und Geschichten seiner Vergangenheit, war wahnsinnig. Schoen, grauenvoll und interessant zugleich. Jeder der Jugendlichen und die älteren Menschen haben eine Biographie mit Berührungspunkten zum Genozid der 90er Jahre. Und trotzdem Lebensfreude überall und viele strahlende Gesichter. Relativ offen wird über diese Zeit und ihre Folgen gesprochen. Untereinander und mit dem Fremden, der fragt.
Aber wir hatten eine lange Strecke nach Arusha vor uns, wo wir Georgs Freundin Anke und Bigi, meine Frau, treffen wollten, um eine Safari zu machen. Daher fuhren wir schweren Herzens weiter, mit dem Vorhaben wiederzukommen. Am 16. Februar, nach viel Fahrerei und trotzdem Frank mehrere Tage heftig mit einer Darmgrippe zu kämpfen hatte, erreichten wir die Stadt der Safaris im Norden Tansanias.
Wir haben sie gemacht, die Safari. Fünf Tage lang waren wir unterwegs, am Lake Manyara, in der Serengeti und schließlich im Ngorongoro Krater. Mit Wilson, unserem Fahrer vom Stamm der Masai und dem Koch Maulidi; im Buschtaxi (Toyota Landcruiser). Übernachtet haben wir fast ausschließlich im Zelt, umringt von wilden Tieren: grasenden Büffeln, Giraffen, Hyänen, Löwen…
Auch gesehen haben wir sie ALLE! Die Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn (!), Loewe und Leopard) die ugly Five (Warzenschwein, Gnu, Marabu, Nilpferd und Hyäne sowie Geparden – bei der Jagd (!)- Zebras, Giraffen, viele weitere Antilopen, Schakale, und unzählige Vögel. Wilson, der Biologie studiert hat, kannte oder fand die besten Beobachtungsorte und wusste auf jede Frage eine Antwort. Aber auch zur Lebensweise der Masai gab er breitwillig sehr informative Auskünfte. Ein tolles Erlebnis.
Von Arusha ging’s in drei relativ strammen Fahrtagen bis hierher, ans Meer.
Zu tun gibt’s hier neben dem Baden am Morgen und am Abend, dem Feilschen beim Kauf von Souvenirs, bevorzugt Ebenholzschnitzereien, nicht viel. Lediglich das Thema Essen rangiert noch weit oben auf der To-Do-List. Sowohl in der Lodge als auch außerhalb schmeckt’s meist lecker und langsam haben wir die Speisekarten bis in den hintersten Winkel durchprobiert. Auswahl-Stress…:-)
Es ist nun wieder Mal ein längerer Bericht geworden, obwohl ich viele Details ausgelassen habe. Allein über Artur könnte ich natürlich einige Seiten schreiben. Zum Beispiel wie spielend er inzwischen auf englisch mit den Menschen parliert und wie er sich, sobald ein Billardtisch rumsteht einen Spielpartner sucht. Oder über Chris, der seit 12 Jahren im 40 Jahre alten Landrover durch die Welt tingelt und mindestens noch 30 Jahre unterwegs sein will…(!) Aber fuer’s Erzählen Zuhause soll ja auch noch etwas übrig bleiben. Frank hat wieder viel gefilmt und wird sicher erneut einen tollen Bildbericht schustern.
Ich freue mich, dass so viele wieder Anteil an unserer Reise nehmen. DANKE Euch!
Laurens

Hallo Laurenz und Jungs, toll dieser Bericht. Gut, dass Ihr wieder heil zu Hause seid. Liebe Grüße an alle Linda und Hansi
ilm hallo ich könnte heulen wenn ich das hier lese. bin ganz neidig. möchte auch sowas machen und und und. auch euer film mensch verdammt so schön und dann auch noch so ein moped wie ich eins hab ich msch mir gleich in die hose vor freude freu mich schon auf den nächsten film. so seid schön brav und habt weiterhin so gute ideen. bleibt gesund und munter . fx
Hallo Ihr Abenteurer,
habe vergangenes Wochenende Euren Film-Reisebericht (Ägypten-Sudan-Äthiopien) mit Begeisterung gesehen und mir Eure Internetadresse gemerkt, um mal Weiteres zu verfolgen. Freue mich, dass auf der letzten Etappe am Ende alles gut für Euch ausgegangen ist und hoffe, dass ich Gelegenheit haben werde, auch
Euren nächsten Film zu sehen!!!
Wünsche Euch alles Gute -
bis hoffentlich bald mal wieder!
Franziska Obst