Äthiopien – Nairobi (1. Reisebericht 2009)
28. Januar 2009 von admin
Die meisten wissen, dass Georg, Frank und ich wieder in Afrika unterwegs sind und das auch Artur, Franks inzwischen achtjaehriger Sohn, mit dabei ist. Am 06. Januar haben wir unsere Motorraeder beim deutschen Baecker in Addis abgeholt, wo sie sicher seit Maerz 2008 gestanden haben und sind losgefahren.
Der Sueden Aethiopiens und Norden Kenias, den wir waehrend der ersten zweieinhalb Wochen bereist haben laesst sich mit Begriffen wie urspruenglich, trocken, wild, weglos, heiss, wuestenhaft, bergig, pitoresk und schoen zusammenfassend beschreiben. Wir haben eine besonders abgelegene Strecke ausgesucht und sind durch die Gebiete verschiedener Volksstaemme gefahren.
Das Wort Eingeborene beschreibt die Menschen denen wir hauptsaechlich begegnet sind recht genau. Sie heissen Ari, Banna, Bashada, Hamar, Dassanech, Rendile, Turkana und Somali und leben noch sehr traditionell. Dominierend ist die Viehhaltung mit Rindern, Ziegen, Schafen und Kamelen. Da war es toll, dass Bigi, meine Frau, mir neben anderen ein Foto von sich mitgegeben hat, auf dem sie beim Kuehe melken abgebildet ist. Das war sehr beliebt und verschaffte mir sofort gehoerigen Respekt. Denn diese Voelker essen weniger das Fleisch Ihrer Tiere, als dass sie sie vielmehr als Wertgegenstand halten und die Milch und das Blut nutzen. In Halbwuesten uberlebt der, der Fluessigkeit hat und so werden die Tiere angezapft.
Unterschiedlich dunkel, von verschiedener Statur und Gesichtform sind die einzelnen Voelker. Habnackt waren viele. Zudem auf die unterschiedlichste Art und Weise geschmueckt. Das schmuecken der Koerper ist den aufgezaehlten Volksgruppen gemeinsam.Wie aus dem Bilderbuch waren sie anzuschauen: Mit Schmucknarben, Glasperlenketten, Stirnbaendern mit Federn und anderem Tand. Die Frauen hatten oft nur einen Lederschurz, die Maenner waren bekleidet mit Tuechern, teilweise Patronengurten um die Hueften und nicht selten einen Karabiner oder gar eine Kalaschnikov in der Hand. Stolze Menschen. Bei den Samburu, die durch das Buch und den Film Die weisse Massai zu Beruehmtheit gelangt sind, hatte das Ganze schon fast tuntenhafte Zuege.
In scharfem Kontrast zum Bild der farbenfrohen, gepflegten und froehlichen Frauen stand das, was ich ueber die brutalen Beschneidungen las. Es war schwer zu glauben, dass ueber 90 Prozent der Maedchen und Frauen, die uns da so lebensfroh gegenueberstanden, sich diesen Verstuemmelungen hatten unterziehen muessen. Vorgenommen mit Glasscherben oder anderem Werkzeug, werden je nach Art und Weise, es gibt vier unterschiedlich massive Eingriffe, sehr grosse Teile der weiblichen Genitalien herausgeschnitten. Teilweise um das Ganze bis auf ein kleines Loch wieder zuzunaehen, was bedeutet, dass fuer den Geschlechtsverkehr nach der Hochzeit und die Geburt des Kindes nocheinmal zwei Operationen notwendig werden. Grausam.
Sobald wir die groesseren Pisten verlassen und uns ausserhalb der Reichweite von Touristenrouten bewegten, sind die Menschen sehr freundlich. Andernfalls konnten sie schon auch mal ziemlich aufdringlich werden und fordern, dass wir in Foto von ihnen machen sollten, fuer dass jeder der Abgebildeten anschliessend natuerlich finanziell entschaedigt werden wollte. Da war es gut zu dritt zu sein und sehr massiv zu wirken (s.u.).
Eine interessante Feststellung war, dass in Aethiopien die Menschen geradezu gierig auf unsere gekauften, leeren Plastik-Wasserflaschen waren, waehrend in Kenia keiner mehr welche haben wollte. Ansonsten wurde weniger gebettelt als im Norden Aethiopiens.
Was unseren Alltag auch sehr bestimmt ist die Tatsache, dass Artur morgens Schulaufgaben machen muss. Ausser Sonntags, da hat er frei. Deutsch, Sachkunde und Mathe sind dann dran. Das faellt ihm natuerlich oft nicht einfach. Wo doch drumherum unzaehlige Gelegenheiten warten um zu spielen und herumzutollen. Er handelt dann ziemlich oft die ein oder andere FANTA als Entschaedigung heraus. Ansonsten ist das Reisen mit ihm super easy. Beim Essen lauern noch Probleme, aber das Fahren macht er am allerliebsten und ist auf dem Motorrad selbst am besten zu haben.
Von Aethiopien ist ihm in Erinnerung geblieben, dass die Menschen dauernd sein blondes Haar beruehren (zerren) wollten. Manche Frauen sind vor Ruehrung gar in Traenen ausgebrochen und viele haetten ihn am liebsten dabehalten. Fuer die Kontaktaufnahme mit den Menschen ist Artur unersetzlich. Genauso wie die Plastiktiere von Schleich (Krokodil=Georg, Camel=Frank, Schildkroete=ich), die wir auf unserem Schutzblech vorne befestigt haben und die inzwischen schon ganz abgegriffen sind. Die Menschen kommen naeher und haben ein Vehikel um selbst bei Sprachbarrrieren mit uns eine Konversation zu beginnen. Denn eigentlich sind wir als 3er Gruppe mit ritterruestungsaehnlichen Motorradklamotten und fett bepackten Motorraedern eher abschreckend. Auf jeden Fall eine Hausmacht.
Diesen Bericht schrieb ich Euch aus Nairobi, wo wir am 26. Jan angekommen sind, um unsere Einreiseformalitaeten fuer Kenia zu erledigen. Denn wir sind von oestlich des Omoflusses in Aethiopien am Lake Turkana, frueher Rudolfsee, entlang ueber die gruene Grenze ins Land eingereist und erst seit wenigen Tagen wieder in der Zivilisation. Damit haben wir eine Strecke gemacht, auf der ich 1994 mit einer verbrannten Kupplung liegen geblieben bin und die zu bewaeltigen noch ausgestanden hatte. Der Bann ist gebrochen – bis auf einen Platten haben wir die sehr anspruchsvolle Strecke ohne groessere Zwischenfaelle bewaeltigt. Wer den Film “Die weisse Masai” kennt, weiss genau durch was fuer eine Gegend wir gefahren sind… Auf rund 600 km waehrend vier Tagen ist uns KEIN anderes Fahrzeug entgegengekommen!
In Zentralkenia fanden wir an jeder Ecke eine Lodge oder einen Campingplatz. Langweilig eigentlich. Alles entwickelt und ueberall wartet ein Supermarkt auf uns. Nicht mehr so sehr das Out of Afrika Feeling wie vorher.
Seit einigen Tagen regnet es immer wieder, worauf wir gar nicht eingerichtet sind und was uns etwas aus dem Konzept bringt. Mitte Februar wollen wir in Arusha/Tansania sein um eine Safari zu machen und wissen noch nicht so genau, ob es unproblematisch ist, durch Uganda und Rwanda um den Victoriasee herum dorthin zu fahren. Wie stark die Lage im Kongo diese Laender beeinflusst, koennen wir noch nicht genau sagen. Haben aber hier in Nairobi die Gelegenheit andere Reisende zu treffen, die uns Auskuenfte geben koennen, und im Internet zu recherchieren.
Sicher kann ich in den naechsten Wochen nochmal einen Bericht schreiben. Bis dahin wuensche ich Euch nicht allzuviel grauen Winter – wir hatten lange ueber 45 Grad im Norden Kenias und fangen jetzt schon bei 25 Grad an zu frieren…

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